RESI: Entwicklung, Erprobung und Evaluation eines Resilienz-Trainings für Rehabilitand*innen mit primären chronischen Schmerzen

Förderung

Deutsche Rentenversicherung Westfalen, Münster
 

Projektteam

Susanne Dibbelt, Julia Wolke, Edith Wulfert
 

Laufzeit des Projektes

01.01.2026 - 31.03.2029
 

Hintergrund und Zielsetzung

Angesichts steigender Zahlen von Rehabilitand*innen mit chronischen primären Schmerzen und Schmerzverarbeitungsstörungen (darunter dem Fibromyalgie-Syndrom und dem komplexen regionalen Schmerzsyndrom) erscheint es geboten, diesen Patienten im Rahmen eines orthopädischen Heilverfahrens ein gezieltes Gruppen-Angebot zu machen. Neben chronischen Belastungen, traumatischen Erlebnissen und somatischen Ursachen werden ungünstige Strategien der Stressbewältigung als Ursachen und aufrechterhaltende Bedingungen des Chronischen primären Schmerzsyndroms (im Folgenden CPS) angesehen.

Das Ziel des Projektes ist es, ein multimodales Konzept für ein Resilienz-Training für Rehabilitand*innen mit CPS in einer ersten Phase zu entwickeln und zu erproben und in einer zweiten Phase zu evaluieren, d.h., die Effektivität des Resilienz-Trainings im Vergleich zu einer individuell verplanten Kontrollgruppe zu prüfen. Kernstück des Trainings sind drei psychologische Module zu Resilienz-Strategien im Umgang mit Schmerz und Stressoren. Diese werden ergänzt durch ein Achtsamkeitstraining, bestehend aus Atemtechniken, Qigong und Klopftechniken sowie niederschwellige Bewegungstherapie und Ernährungsberatung.
 

Methoden

Die erste Projektphase dient der Entwicklung und Erprobung des Resilienz-Trainings.

Dazu sollen zunächst

  • Bedarfe und Wünsche von Rehabilitand*innen mit CPS anhand von leitfadengestützten Interviews erfasst werden
  • die Inhalte des Trainings, die Zuweisung und die Abläufe mit leitenden Therapeuten in Fokusgruppen beraten werden
  • das Training in einem Zeitraum von ca. 6 Monaten erprobt werden
  • die Zufriedenheit der teilnehmenden Rehabilitand*innen mit dem Training mittels eines Kurz-Fragebogens erfasst werden
  • die Umsetzungsqualität durch leitende Behandler*innen bewertet werden
  • ein Manual für die Leitenden des Trainings erstellt werden.

Die zweite, zweijährige Projektphase soll die folgenden Fragestellungen beantworten:

Führt das Resilienz-Training für Rehabilitand*innen mit CPS kurz- und langfristig zu überlegenen Verbesserungen in Bezug auf die Reduktion der Beeinträchtigung durch Schmerz, gemessen mit dem Pain-Disability-Index (PDI) im Vergleich zu einer Vergleichsgruppe mit der Diagnose CPS, die ein solches Training nicht erhält? Dazu wird der Reha-Status zu zwei Katamnesezeitpunkten (1 Monat nach Entlassung und 6 Monate nach Entlassung) erhoben und mit den Ausgangswerten zu Beginn der Reha verglichen.
 

Hauptzielgröße und weitere Zielgrößen

Die Zielgrößen werden als Patient Reported Outcomes erfasst. Die Hauptzielgröße ist der Pain Disability Index (PDI) in der Deutschen Fassung von Dillmann und Nilges (2011). Weitere mittels Fragebogen im Papier- und Bleistiftverfahren zu erfassende Zielgrößen sind u. a.:

  • Schmerzausprägung gemäß visueller Analog-Skala (0-10 = maximaler Schmerz)
  • Schweregrad des weit verbreiteten Schmerzes (Wide Spread Pain Index nach Sittl & Mattenklott, 2014; bearbeitet für Selbstberichte von Rehabilitand*innen von Dibbelt et al., 2019)
  • Anzahl der Schmerzorte (aus Wide Spread Pain Index)
  • Deutsche Version des PC_PTSD (Primary Care Posttraumatic Stress Disorder Screening Questionnaire; Schäfer & Schulze, 2010)
  • Somatische und psychische Gesundheit (IRES 3, Bührlen et al., 2005; SF36, Bullinger et al., 1998)

Alle Zielgrößen werden per Fragebogen zu den folgenden drei Zeitpunkten erfasst: (1) Zu Beginn der Reha, (2) 1 Monat nach Entlassung und (3) 6 Monate nach Entlassung. Die Überlegenheit der Interventionsgruppe gegenüber der Vergleichsgruppe sollte sich in einer überlegenen Reduktion des PDI-Summen-Scores zu den Katamnese-Zeitpunkten zeigen.
 

Einschluss- und Ausschlusskriterien

Alle Rehabilitand*innen mit den in Tabelle 1 genannten Diagnosen nach ICD-10 als Haupt- oder Neben-Diagnose können bei Teilnahme-Bereitschaft in die Studie eingeschlossen werden, es sei denn, es liegen die folgenden Ausschlusskriterien vor:

  • Mangelnde Sprachkenntnisse in Deutsch
  • Mangelnde kognitive Fähigkeiten
  • Aus psychischen Gründen nicht für ein Gruppentraining geeignet
  • Schmerzen durch eine spezifische Erkrankung oder Operation erklärbar

Da das ICD-11 noch nicht generell in Gebrauch ist, soll die Zuweisung anhand der Zugangsdiagnosen nach ICD-10 erfolgen.
 

Tabelle 1: Zugangsdiagnosen im Projekt RESI

ICD-10Bezeichnung RESI?
 
ICD-11Bezeichnung RESI?

 
Chronischer Schmerz (abgeleitet) 
 

 
MG30.0Chronisches primäres Schmerzsyndrom 
 
M79.70 Fibromyalgie-Syndrom 
 

 
MG30.01Chronisches ausgedehntes Schmerzsyndrom (Fibromyalgie) 
 
G90.5-Komplexes regionales Schmerzsyndrom, Typ I 
 

 
MG30.04Komplexes regionales Schmerzsyndrom
 
G90.50Obere Extremität
 

 

 

 

 
G90.51Untere Extremität
 

 

 

 

 
G90.59Lokalisation nicht näher bezeichnet
 

 

 

 

 
R52.1
 
Chronischer unbeeinflussbarer Schmerz
 

 

 

 

 
R52.2Sonstiger chronischer Schmerz
 

 

 

 

 

 

Erhebung in zwei Blöcken

Die Erhebung der Studiengruppen soll in zwei Untersuchungs-Blöcken erfolgen: In Erhebungs-Block 1 wird die Vergleichsgruppe erhoben: Geeignete und teilnahmebereite Rehabilitand*innen mit CPS werden individuell verplant. In Erhebungs-Block 2 sollen Rehabilitand*innen mit der Diagnose CPS ausschließlich in das Resilienz-Training verplant werden. In jedem Block sollen 70 Personen mit vollständigen Datensätzen eingeschlossen werden. Dazu müssen unter Berücksichtigung von Ausfallraten jeweils 137 Personen rekrutiert werden.
 

Zu erwartende Ergebnisse und Umsetzungsrelevanz

Für die erste Projektphase wird erwartet:

  • Beteiligte Behandler*innen bewerten das erarbeitete Konzept eines Resilienz-Trainings als umsetzbar und in die Klinikabläufe integrierbar.
  • Rehabilitand*innen bewerten das Training als hilfreich und zu ihrer Problematik passend.

Für die zweite Projektphase wird erwartet:

Teilnehmende des Resilienz-Trainings mit Diagnosen, die dem chronischen primären Schmerzsyndrom (CPS) zugeordnet werden können, zeigen überlegende Reha-Ergebnisse im Hinblick auf die Reduktion der Beeinträchtigung durch Schmerz, gemessen mit dem Pain Disability Index (PDI) zu den Katamnese-Zeitpunkten im Vergleich zu einer Vergleichsgruppe, die individuell verplant wird.

Insgesamt wird erwartet, dass das Resilienz-Training aufgrund einer besseren Passung zu den Bedarfen dieser Patienten Gruppe zu einer verbesserten Versorgung von Rehabilitand*innen mit chronischen primären Schmerzen beiträgt, erkennbar an der höheren Zufriedenheit der Teilnehmenden und überlegenen Reha-Ergebnissen. Bewährt sich das Training in der genannten Weise und finden sich Hinweise auf eine Überlegenheit des Trainings gegenüber der individuellen Verplanung dieser Rehabilitand*innen Gruppe, könnte kann eine Übernahme in die Routineversorgung erfolgen.
 

Literatur

Antonovsky, A. (1987). Health promoting factors at work: The sense of coherence. Psychosocial factors at work and their relation to health, 153-167. 

Dillmann U, Nilges P, Saile H, Gerbershagen HU (2011). PDI Pain Disability Index - Deutsche Fassung (Verfahrensdokumentation und Fragebogen). In Leibniz-Institut für Psychologie (ZPID) (Hrsg.), Open Test Archive. Trier: ZPID. doi.org/10.23668/psycharchives.4505

Häuser W (2020). Update Fibromyalgiesyndrom. Akt Rheumatol 45, 422-229.
 

Schlagwörter

Resilienz, Chronischer primärer Schmerz, Fibromyalgie, Komplexes regionales Schmerzsyndrom, Achtsamkeit
 

Kontakt

Dr. Susanne Dibbelt
Projektleitung 
Institut für Rehabilitationsforschung Norderney (IfR) 
Abteilung Bad Rothenfelde
Tel.: 05424 220 470
Mail: dibbelt@ifr-rothenfelde.de