Machbarkeit der Durchführung einer prospektiven, kontrollierten, randomisierten Studie zur strukturierten ernährungsmedizinischen Nachbetreuung mangelernährter gastro-enterologischer Patienten

 

Projektnummer IFR10002
Projekttitel Machbarkeit der Durchführung einer prospektiven, kontrollierten, randomisierten Studie zur strukturierten ernährungsmedizinischen Nachbetreuung mangelernährter gastro-enterologischer Patienten
Projektleiter Dr. med. Harald Fischer
Projektmitarbeiter Eva Hölscher
Institution Institut für Rehabilitationsforschung an der Klinik Rosenberg
Projektbeginn 00.00.0001
Projektende 00.00.0012
Kontaktanschrift Hinter dem Rosenberge 1; 33014 Bad Driburg
Kontakt E-Mail harald.fischer@drv-westfalen.de
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Förderer VFR
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Ziele
Hintergrund und Forschungsstand:

In der Klinik Rosenberg werden seit Gründung des Ernährungsteams (1999) ca. 240 mangelernährte gastroenterologische Patienten pro Jahr besonders intensiv ernährungsmedizinisch betreut, um mit gezielten Maßnahmen den Ernährungszustand zu verbessern. Eigene Daten seit 1999 zeigen, dass viele Patienten ihren Ernährungszustand während des Rehaverfahrens durch die gezielte Einleitung von konkreten ernährungsmedizinischen Maßnahmen, z.B. Austesten von Intoleranzen, ausreichende Vitamin- und Mineralstoffversorgung, Einsatz von Sonden- bzw. Trinknahrung, Einsatz von Enzymen sowie eine ausreichende Energieversorgung durch mehrere kleine Mahlzeiten, deutlich verbessern.
Bei Aufnahme ins Krankenhaus sind 25% aller Patienten mangelernährt. Ein Drittel aller mangelernährter Patienten sind Krebspatienten. Ein wichtiger Risikofaktor ist das Lebensalter. Die Hälfte der Krebspatienten sind schon bei Aufnahme mangelernährt. Unter der Therapie (Operation, Bestrahlung, Chemotherapie) nimmt der Anteil auf 80% zu.
Die Mangelernährung gilt bei Tumorpatienten neben der Sepsis als häufigste Todesursache. Es kommt zu Einbußen von Muskelkraft, Bewegungsfähigkeit und der Immunabwehr. Folgen sind längere Krankenhausaufenthalte, höhere Komplikationsraten im Krankenhaus, höhere Kosten und eine schlechtere Überlebensprognose (gemessen 6 Monate nach Entlassung). Studien belegen, dass ein Gewichtsverlust bei Tumorpatienten mit mehr Komplikationen und einem verminderten Ansprechen auf die Therapie verbunden sind. Weiter belegen Studien, dass eine frühzeitige Supplementierung der Ernährung den Ernährungszustand und damit die Rehabilitationsfähigkeit deutlich verbessern kann.
Gastroenterologische Tumore weisen eine besondere Anforderung an die ernährungsmedizinische Betreuung auf. In Folge der Operationen wird die Ausnutzung der Nahrung beeinflusst. Bestimmte Nährstoffe können nicht vom Körper resorbiert werden und es kann zu einer Fehlverdauung kommen. Gastroenterologische Folgen wie Fettstuhl, Intoleranz von Lactose oder Fructose, Vitaminmangel und Mineralstoffmangel können umgehend durch eine gezielte Ernährungsintervention, zum Beispiel Gabe von Pankreasenzymen bei Steatorrhoe oder eine lactosefreie Kost gebessert werden.
Weitere Probleme bei Magen- Darm- Tumoren ist das schnelle und vorzeitige Sättigungsgefühl. Postoperative Malnutrition ist begründet in einer Malabsorption und einer unzureichenden Kalorienaufnahme auch bedingt durch zu kleine Nahrungsmengen. Folgen können weitere Erkrankungen sein, wie zum Beispiel eine Veränderung des Knochenstoffwechsels, die sich bei mehr als 60% der Gastrektomierten findet. Bei etwa 5-20% der gastrektomierten Patienten entwickelt sich eine Osteoporose, besonders häufig sind die Patienten betroffen, bei denen ebenfalls eine Steatorrhoe vorliegt.
Bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) kommt es häufig zu Störungen der Nahrungsaufnahme und somit sehr häufig verbunden zur Mangelernährung. Mangelnder Appetit, einseitige Ernährung aus Angst vor Unverträglichkeiten mit Erbrechen, Übelkeit und Durchfall und eventuelle Nahrungsmittelrestriktionen können als einige Gründe angeführt werden. 2/3 aller Patienten mit Morbus Crohn und 1/3 der Patienten mit Colitis ulcerosa weisen einen Gewichtsverlust von mehr als 10% des Normalgewichtes auf. Über die langfristigen Erfolge einer möglichst frühzeitigen ernährungsmedizinischen Intervention im Rehabereich liegen bislang keine Daten vor. Auch der Verlauf der Tumor- und CED-Patienten nach der Rehamaßnahme wurde bislang nicht untersucht.
Ebenso fehlen Daten, ob der weitere Verlauf des Ernährungszustandes, der Lebensqualität und der Prognose der Tumorerkrankung durch ein ernährungsmedizinisches „Reha-Nachsorge-Programm“ verbessert werden kann.

Ziele:
Ziel dieser Studie ist die Implementierung einer ernährungsmedizinischen Nachbetreuung von mangelernährten gastroenterologischen Reha-Patienten und die Abschätzung der Machbarkeit einer prospektiven, kontrollierten, randomisierten Studie zur Evaluierung dieses neuen Konzeptes. Diese Studie soll im Anschluss an die Pilotstudie durchgeführt werden.

Arbeitshypothese:
Der Ernährungszustand durch die intensivierte Ernährungsintervention verbessert sich gemessen am Phasenwinkel. Es erhöht sich die Lebensqualität und die Kraft der Patienten nimmt zu.

Erwartete Ergebnisse:
Wir erwarten, dass sich Patientengruppen identifizieren lassen, bei denen eine intensive Nachbetreuung erforderlich ist und diese Nachbetreuung auf ihre Ergebnisse hin in einer umfassenden Studie untersucht wird.
Weiterhin erwarten wir, dass sich ein geeignetes Instrument bzw. ein geeigneter Messparameter zur Feststellung des Ernährungszustandes zeigt. Eventuell erwarten wir hier für die unterschiedlichen Indikationen unterschiedliche Ergebnisse.
Erwartet wird ebenfalls, dass sich ein standardisiertes Konzept zur Nachbetreuung der Patienten erarbeiten lässt, inklusive standardisierter Frage- und Dokumentationsbögen.
Wir erwarten eine Aussage über die Qualität und Durchführbarkeit der einzelnen Elemente (Telefonkontakt, schriftlicher und persönlicher Kontakt, Hausarztkontakt) der Nachbetreuung und welches die geeignetere Methode ist.
Als weiteres erwarten wir eine Aussage über den Verbrauch an Ressourcen wie Personalplanung, Personaleinsatz und Instrumentenverbrauch zur Planung weiterer Studien.

Methodisches Vorgehen:
Zunächst wird eine Pilotstudie zur Machbarkeit und Praktikabilität einer strukturierten Nachbetreuung angestrebt. In dieser Phase soll nach Literaturrecherche, Experteninterviews, Entwicklung von Fragebögen (z.B. zu Ernährungsproblemen, Patientenwünsche für die Nachbetreuung, Dokumentationsbögen), Identifikation von geeigneten Patientengruppen und Messinstrumenten etc. ein standardisiertes Nachbetreuungskonzept entwickelt werden und anschließend in einer Testphase über 3 Monate, die entwickelten Bögen und Instrumente auf ihre Praktikabilität und Auswertbarkeit hin getestet werden. Es werden Patienten mit verschiedenen gastroenterologischen Indikationen in die Pilotstudie aufgenommen und die eingesetzten Mittel evaluiert.
Zur Erfassung des Ernährungszustandes stehen verschiedene Parameter zur Verfügung, wobei sich der Parameter „Phasenwinkel“ aus der Bioimpedanzanalyse zuletzt mehr und mehr in den Blickpunkt getreten ist.
Publikationen
Letzte Änderung 31.03.2015

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